August 2020

Wow, nun sind wir schon im August und die Nächte werden wieder länger und kühler. Bis jetzt war der Sommer sehr schön und wir haben trotz Corona – es wird uns noch lange begleiten – die Praxis gut bewältigt. Die Maske bleibt Pflicht und wir halten uns an die Abstandsregel. So sind wir bis jetzt alle gesund geblieben und hoffen sehr, dass es so bleibt.

Ich muss Ihnen eine Nachricht unbedingt mitteilen, da sie mich wahnsinnig empört hat und ein super Beispiel ist, wie wenig Interesse an höherer Stelle besteht, den Zustand von Tieren zu verbessern. Sicher- dank Corona ist ein Spotlicht auf die Schweinefleischverwertung geworfen worden: Tönnies stand lange in den Schlagzeilen und dabei ist wieder ins Bewusstsein gerückt worden, wie viel Tierqual hinter solch einem Wirtschaftszweig steht:

Tierquälerische (Schlacht-)Tiertransporte, nicht artgerechte Haltung unserer Nutztiere wie Kastenstand der Sauen, Ferkelkastration, Kupierverzicht, Eintagsküken, absolute Wertlosigkeit der männlichen Rinderkälber (wußten Sie, dass Viehhändler mal so eben 10 – max 40 € dafür zahlen), Schlachthofprobleme, große Missstände, überall dort, wo wir mit offenem Augen schauen …. Und was passiert ?

Leider kann die Tierärzteschaft darauf nur antworten : es passiert nichts bis viel zu wenig- stattdessen gibt ein angestrengtes Bemühen, die tierquälerischen Zustände so zu belassen wie sie sind oder eklatante notwendige Veränderungen per Gesetz in die ferne Zukunft zu schieben- unser Protest als Sachverständige der Tiergesundheit und des Tierwohls, denn dieses zu wahren ist unser Berufsethos, wird unter den Tisch gefegt und ist auch nicht gefragt und erwünscht. Hier ein aktuelles Beispiel:

Die Bundesregierung beruft eine “Zukunftskommission Landwirtschaft” ein. Mit dabei sind Vertreter aus 31 Verbänden und Institutionen, vom Gartenbauer bis zum Tierschützer.  Nur keine Tierärzt*innen. Die könne man ja “bei Bedarf” dazu holen. Diese Antwort gab das Bundeslandwirtschaftsministerium auf Nachfrage. Diese Antwort entlarvt sehr deutlich den Stellenwert der Tiergesundheit in politischen Debatten – sie ist einfach nicht gefragt. So nimmt es auch nicht Wunder, dass der Vorsitzende dieser Kommission, Prof. Peter Strohschneider, Mittelalterforscher ist.

Dieser Verzicht auf tierärztlichen Sachverstand ist für uns schon länger (leider und traurigerweise) keine Überraschung mehr. Könnte es daran liegen, dass unsere Vertreter*innen deutlich den Finger in die Wunden legen, immer wieder und wieder die tierquälerischen Missstände benennen und schnelle Änderungen fordern, dass Kolleg*innen von uns die Bewilligung von Tiertransporten verweigert haben, wenn ersichtlich war, dass in den Ländern in und durch die diese Tiere transportiert werden, nicht ein Minimum ein Versorgung und Tierschutz besteht ?

Wir empfehlen diesen Kommentar von Jörg Held auf wir-sind-tierarzt.de: Kein Bedarf für tierärztlichen Sachverstand

Das ist keine private Entscheidung unserer Kolleg*innen, das Gesetz verpflichtet dazu – es ist gesetzlich nicht zulässig, doch wie kann es sein, dass es trotz dieses Gesetzesbruchs keine obergeordneten Weisungen des Unterlassens gibt? Ich glaube, wir alle kennen die Antwort.

Und deswegen bitte ich Sie immer wieder – schauen Sie hin, woher das Fleisch kommt, unter welchen Bedingungen die Tiere leben und geschlachtet werden, kaufen Sie keine Massenhuhneier, …..lesen Sie die Labels genau und lassen Sie sich nicht täuschen durch die verlogenen Bildern von glücklichen Schweinen und Rindern auf dem Bauernhof.

So – das musste ich jetzt doch mal so deutlich sagen, denn wir Tierärzt*innen wünschen uns ehrliches Tierwohl für alle Tiere – dafür haben wir unseren Beruf gewählt.

In unserer Praxis gibt es Neues:

Wir haben eine neue Auszubildende: Claire Lintl. Sie ist extra aus Limburg nach Nidderau gezogen, um ihren Traumberuf bei uns zu erlernen, wir sind sehr glücklich darüber und freuen uns, sie ausbilden zu dürfen.

Auf dem Foto sehen sie Claire – natürlich bei der Arbeit mit Maske – mit dem süßen Katzenwelpen von Frau Brodt, dieser litt unter starkem Durchfall wegen Giardien, ist aber jetzt entwurmt und wieder ganz gesund.


Frau Kassia stellte uns ihre kleinen Meerschweinchen Piet, Merle und Mami Emmi vor, sie kamen zum Gesundheitscheck und zur Kastrationsbesprechung – hier werden die kleinen Wusel gehalten von Claire und Sara.


Dann zeige ich Ihnen noch den hübschen Bengalkater Aramis von Frau Kroß, er wurde gecheckt, geimpft und gechippt, Da schlug mein kleines Hundeherz schon höher, denn ich vermisse immer noch meine Spielgefährtin Sarangha, die ja leider im Dezember verstorben ist.


Imponiert hat mir die Malinois-Hündin Sharona aus Düsseldorf, die Arme leidet an einer schweren Hüftarthrose und mein Frauchen Dr. Rogalla hat sie mit der Goldakupunktur versorgt. Ihren kleinen blauen Stoffdrachen hat sie sogar mit in den Narkoseeinschlafraum mitgenommem und festgehalten und nach dem Aufwachen sofort wieder mit gespielt. Wir hoffen, dass Sie nun wieder schmerzfreier laufen und rennen kann.


Die kleine Lotte von Frau Seipel-Lanz musste sogar 2x operiert werden. Erst wurden ihr bösartige Mastzelltumore in der Unterhaut am Körper entfernt – und nur wenige Wochen später wuchs sehr schnell ein neuer Tumor, diesmal an der Vorderpfote. Es war zum Glück nur ein gutartiges Melanom. Die Stelle war sehr schwer zu operieren und der Vorderlauf musste einige Zeit unter Verband bleiben, doch Lotte hat es gut gemeistert.


So, das Gewitter ist weitergezogen, nun sause ich schnell nach draußen und wünsche Ihnen noch einen sonnigen August, bleiben Sie vorsichtig
Ciao – Ihre Samira