Arthrose – wenn Bewegung keine Freude mehr macht

Wie merke ich, dass mein Tier Schmerzen hat?
Das ist eine häufig gestellte Frage. Leider ist es außerordentlich schwer, die ersten Symptome zu erkennen, doch Sie sollten sich beunruhigen, wenn die Freude an der Bewegung insgesamt nachlässt.
Bei Katzen ist das klinische Bild wesentlich unauffälliger als beim Hund (siehe den Artikel auf unserer homepage: Arthrose bei der Katze), oft treten die Veränderungen auch nur bei bestimmten Witterungsverhältnissen auf (Wetterfühligkeit der Arthrose).

Häufig zeigen sich die ersten Symptome in kleinen Veränderungen:

  • Das Aufstehen morgens ist schwerfälliger, die Gelenke brauchen „bis sie in Gang kommen“
  • das Springen wird vermieden,
  • die Spielfreude lässt nach,
  • manchmal erscheint Ihnen Ihr Freund missgelaunt,
  • er möchte auf den Spaziergängen früher umkehren, nach Hause geht es auf einmal flotter als zum Feld hinaus

Die Diagnose Arthrose in ihrem ganzen Ausmaß kann erst anhand von bildgebenden Verfahren wie Röntgen gestellt werden. Manchmal sind weitergehende Untersuchungen mit CT (Computertomographie) und MRT (Magnetresonanztomographie) vonnöten. Ratsam ist es, das Tier „durchzuröntgen“ (d.h., nicht nur eine Aufnahme von dem betroffenen Gelenk anzufertigen), da in der Regel weitere Gelenke mitbeschädigt sind.
Das betroffene Gelenk muss auch immer in zwei Ebenen geröngt werden, da die Aufnahme sonst nicht immer aussagekräftig ist. Manche Gelenke (z. B. Ellbogen) benötigen sogar drei Lagerungen in bestimmter Winkelung.
Die Diagnose Arthrose bei Ihrem Liebling ist immer ein Schock, da Sie ja jetzt wissen, dass Ihr Tier an Schmerzen leidet, doch muss es kein unabänderliches Schicksal sein, da Sie sehr viel dafür tun können, um die Gelenkschmerzen zu lindern.
Es kommt darauf an, möglichst frühzeitig einzugreifen.

Gelenke

Einige Gelenke – wie vorne Ellbogen- und Schultergelenk und hinten Hüft- und Kniegelenk – tragen die Hauptlast des Körpergewichts, wobei beim Hund auf den Vordergelenken natürlicherweise 60% des Gewichts liegt. Mit zunehmendem Alter treten natürliche Abnutzungserscheinungen auf. Diese werden durch Faktoren wie Übergewicht, degenerative Gelenkerkrankungen, HD
(Hüftdysplasie) ED (Ellbogendysplasie) oder Verletzungen wie Kreuzbandriß , Meniskusverletzung, Knorpelabsplitterung
(Osteochondrose dissecans) begünstigt.
Alle Hunde können unabhängig von Größe, Gewicht und Alter eine Arthrose entwickeln, doch bei den größeren Rassen besteht ein statistisch höheres Risiko.
Entscheidend für die Funktion der Gelenke ist ein steter Wechsel zwischen Belastung und Entlastung.
Die Gelenke sind hohen Belastungen ausgesetzt und damit die Bewegung geschmeidig und schmerzfrei ist, sind alle Strukturen: Knochen, Gelenkkapsel, Muskeln, Bänder und Sehnen, fein aufeinander abgestimmt.
Der harte Knochen ist mit einem glatten, elastischem Knorpel überzogen, Gelenkflüssigkeit (Synovia) schützt den Knorpel vor Abrieb und versorgt ihn über Diffusion mit Nährstoffen.
Tritt nun in einem dieser Gleichgewichtsfaktoren eine Störung auf, nimmt die Arthrose ihren Anfang.
Die Versorgung des Knorpels ist unzureichend und winzige Knorpelteile werden abgerieben. Diese führen zu Verletzungen auf der glatten Knorpeloberfläche, die mit der Zeit immer größer werden. Es entwickeln sich Erosionen bis tief auf den Knochen, der nun keinen Schutz mehr hat. Gleichzeitig verändert auch die Gelenkflüssigkeit ihre Zusammensetzung, so dass sie ihre schützende Funktion als Gleitmittel nicht mehr erfüllen kann.
Die Folgen sind verheerend, das Gelenk entzündet sich und die Entzündungszellen zerstören das Gelenk noch weiter.
Das Gelenk ist grundsätzlich sehr schmerzunempfindlich, die Schmerzzellen reagieren sehr träge. Das muss so sein, da sonst ja jede Bewegung weh tut. Sind die Schmerzzellen aber einmal aktiviert, hören sie nicht auf, Schmerz zu melden. Gelingt es nicht diesen Prozess zügig zu unterbrechen, verschlimmert sich das Geschehen und der Hund hat eine chronische Schmerzkrankheit.

Arthrosebehandlung

Auch wenn wir seit 1996 den Arthroseschmerz mit sehr großem Erfolg mit der Goldakupunktur behandeln (bei Hunden UND Katzen), möchte ich doch über die bestehenden schulmedizinischen Möglichkeiten aufklären, die alle sinnvoll sind.

Schmerz schädigt den gesamten Organismus,
Schmerz macht krank und verändert Verhalten,
Schmerz ist immer unerträglich und niemand (Mensch und Tier) gewöhnt sich an ihn,
Ganz im Gegenteil: je länger er anhält, umso schlimmer wird er.
Es bildet sich das sog. Schmerzgedächtnis aus, das dann auch auf kleine Reize mit großen Schmerzen reagiert.

Therapie mit Hyaluronsäure

Hyaluron ist eine Substanz, die von Natur aus in den Gelenken vorkommt, sie verbessert die Gleitfähigkeit und optimiert die Nährstoffversorgung. Sie wird direkt in das Gelenk injeziert. Dort ergänzt sie die krankhaft veränderte Gelenkflüssigkeit und regt zusätzlich die körpereigene Produktion an.
Bei ausgeglichenen Tieren führen wir in unserer Praxis die Injektion ohne Sedation – also nur unter lokaler Betäubung – durch, denn die Injektion ist nicht schmerzhafter als eine normale Spritze.
Allerdings muss der erste Ansatz „sitzen“, unter keinen Umständen darf der Knochen getroffen werden, da das hochgradig schmerzhaft ist.
Einen zweiten Versuch toleriert das Tier nicht mehr, der Stress wäre zu groß.
Eine solche Gelenkinjektion bedarf großer Erfahrung und vor allem Routine. Unter keinen Umständen darf daneben injeziert werden, das führt zu Entzündungen mit großen Scherzen!
Zusätzlich wird dann Hyaluron oral gefüttert, eine solche Injektion kann im Abstand von 4 bis 6 Wochen wiederholt werden.

Therapie mit Kortison

Richtig angewendet, ist Kortison ein hervorragendes Medikament.
Lange Zeit war Kortison als Gelenkinjektion sehr umstritten, weil oft ungeeignete Präparate angewandt wurden und häufig auch der Umgang damit unangemessen war.
Die modernen Präparate sind aber nicht mehr so knorpelschädigend und sind hervorragend dazu geeignet, eine Entzündung auf schnellstem Wege zurückzudrängen.
Häufig sind ist die Gelenkinjektion die einzige Möglichkeit, das dramatische Geschehen so schnell wie möglich einzudämmen. Denn je länger die Entzündung anhält, umso verheerender sind die Folgen für das Gelenk.
Richtig angewandt, klingen die Beschwerden schon nach einigen Tagen ab. Das Kortison im Gelenk hat nur geringe Nebenwirkungen
(Durst, vermehrten Appetit, mehr Urinabsatz); da es ja hauptsächlich direkt im Gelenk wirkt und nicht den gesamten Körper durchflutet.
Allerdings dürfen diese Injektionen nur zwei- bis maximal dreimal in mehrwöchigem Abstand wiederholt werden.
Ist die hochgradig schmerzhafte Entzündung erst einmal unter Kontrolle, kann dann ausgewogen mit anderen Präparaten weitergearbeitet werden.

Therapie mit Schmerzmedikamenten

Die nichtsteriodialen Entzündungshemmer (NSAIDs) haben sich in der modernen Schmerztherapie bewährt.
Ihre Verträglichkeit ist oft gut. Wichtig ist es, diese Medikamente lang genug zu geben und dann nach Wirksamkeit zu titrieren, um Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.
Was lang genug ist, werden wir über Untersuchungen des Schmerzgeschehens entscheiden können.

Ist der Arthroseschmerz ausreichend eingedämmt, beginnt ein Programm mit unterstützenden Substanzen (Chondroprotektiva)
die verhindern sollen, das ein Entzündungsgeschehen wieder aufflammt.

Langzeittherapie

Wir betreuen unsere Patienten dauerhaft, denn die Arthrose ist nicht heilbar.
Es kann uns nur gelingen, die Arthrose ruhig zu halten, so dass sie nicht wieder in einen schmerzhaften Prozess umschlägt.
Wir arbeiten mit Physiotherapie, Akupunktur, Magnetfeldtherapie,
auch angemessene Bewegung und Schwimmen tut den Patienten gut.
Doch am häufigsten entscheiden wir uns für die Goldakupunktur, die sich als äußerst erfolgreich in der Behandlung des arthrotischen Patienten herausgestellt hat.
Aber leider sind nicht alle Patienten mit dieser Methode zu behandeln und dieser Artikel soll Ihnen aufzeigen, dass mit einem guten Schmerzmanagement Ihrem Liebling hervorragend geholfen werden kann.
Die Behandlung von Schmerzen ist heutzutage ein Spezialgebiet, begeben Sie sich deswegen in die Hände von Spezialisten, denn nichts ist schlimmer als Dauerschmerz.

Dr. M. Rogalla