Vorsorgeuntersuchungen bei der älteren Katze

saranghaAmerikanische Untersuchungen weisen darauf hin, dass in den letzten 13 Jahren sich die Population der Katzen, die über 6 Jahre alt sind, verdoppelt hat – eine Tendenz, die auch wir in Deutschland und in unserer Praxis beobachten: unsere Katzenlieblinge werden immer älter.
Unsere Senioren erreichen ein Durchschnittsalter von 15 – 20 Jahren, das ist eine lange Zeit, die sie uns begleiten und die Bindung und Freundschaft zu unseren Lieblingen ist sehr eng geworden.
Dass unsere Lieblinge ein so hohes Alter auch möglichst beschwerdefrei erreichen, erfordert allerdings eine enge Zusammenarbeit zwischen Ihnen als Besitzer und uns als Tierärztinnen.

Alter an sich ist keine Krankheit, doch der Alterungsprozess bedingt eine Reihe von komplexen physiologischen Veränderungen, die das Verhalten und die Gesundheit unserer geriatrischen Patienten beeinflussen.
Ihre Katze altert fast unmerklich an Ihrer Seite. Die ersten Anzeichen sind minimal, es gibt leichte Verhaltensänderungen wie anderes Fress – oder Trinkverhalten, plötzlich wird die Katzentoilette anders benutzt, manchmal auch daneben gemacht, ihr Liebling ist fauler geworden etc…..
Sie haben sich daran gewöhnt und schieben solche Veränderungen unweigerlich aufs Alter.

Doch man darf nicht alles aufs Alter schieben, viele Veränderungen sind Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung und können wieder verbessert werden und somit wird die Lebensqualität Ihrer Katze erheblich gesteigert.
Unabdingbare Voraussetzung dafür ist allerdings, dass rechtzeitig und natürlich auch angemessen medizinisch interveniert wird.
Katzen zeigen ihre Altersveränderungen zwischen dem 7. bis 10. Lebensjahr, viele aber auch erst ab dem 12. Lebensjahr.

Die älteren Katzen medizinisch zu monitoren ist eine große Herausforderung, denn unsere Patienten leiden an chronischen Krankheiten , z.B. Niereninsuffizienz , die sich nicht heilen, aber doch verbessern lassen, und zusätzlich haben sie i.d.R. mehr als ein medizinisches Problem, so dass wir die Risiken und Vorteile der Behandlung sorgfältig abwägen müssen.
Außerdem verarbeitet das alte Tier Medikamente anders als eine junge Katze. Das ist besonders der Fall, wenn das Medikament über das erkrankte Organ abgebaut wird. Hier müssen die Dosierungen genau auf das erkrankte Tier berechnet werden, da normale Dosen durchaus toxisch wirken können.
Wir orientieren uns in unserer Praxis an den Richtlinien der AAFP (Amerikanische Vereinigung der Felinen (Katzen-) Praktiker).
Dieser Standard sollte in der Betreuung aller älteren Katzen gewahrt werden.

Ziel ist es, die gesundheitlichen Risikofaktoren zu erkennen und zu kontrollieren, Krankheiten schon in der vorklinischen Phase zu entdecken, diese gesundheitlichen Fehlfunktionen wieder zu korrigieren und eventuelle verbleibende Funktionsstörungen zu behandeln, auf dass unsere Seniorpatienten weiterhin ein langes Leben mit hoher Lebensqualität führen können.
Es wird empfohlen, dieses Gesundheitsvorsorgeprogramm je nach Zustand der Katze zwischen dem 7. bis 11. Lebensjahr zu beginnen. Natürlich werden die Untersuchungen von uns je nach individueller Situation verändert und angepasst und mit Ihnen abgestimmt.
Diese Richtlinien garantieren ein Maximum an medizinischem Standard.

Bei den Untersuchungen muss natürlich unterschieden werden zwischen Senior- Katzen mit klinischen Symptomen und ohne klinische Symptome.
Die Grunduntersuchung ist gleich, doch je nach Symptomatik entscheiden wir dann, in welche Richtung weitere Untersuchungen erfolgen müssen.
So kann durchaus eine ausführliche Herzuntersuchung mit EKG und / oder Ultraschall erforderlich werden, oder bei einem anderen Patienten ist eine Röntgenuntersuchung und / oder ein Ultraschall des Bauchraumes nötig.

Diese Untersuchungen werden alle in unserer Praxis durchgeführt, wir sind dafür ausgerüstet.
Auch die Blutuntersuchungen führen wir sofort in unserer Praxis durch, nur bei spezielleren Blutuntersuchungen schicken wir die Proben, wie in der Humanmedizin, an ein tiermedizinisches Großlabor.

Gesundheitsvorsorge bei Senior – Katzen

  • Ausführliche klinische Untersuchung und Aufnahme aller Verhaltensänderungen (z.B. Änderung der Futteraufnahme, vermehrte Lautäußerungen in der Nacht) des kleinen Patienten – oft sind es Kleinigkeiten, die uns Tierärztinnen hellhörig machen
  • Gewichtskontrolle
  • Möglichst eine Vorstellung des Patienten in der Praxis 2x jährlich
  • Ausgewählte diagnostische Tests zumindest 1x jährlich
    • Ausführliche Blutuntersuchung
    • Bestimmung der Schilddrüsenwerte
    • Große Urinanalyse
    • Blutdruckmessung
    • evtl. Leukose und FIV – Test bei Risikokatzen
    • falls erforderlich weiterführende Untersuchungen wie Röntgen, Ultraschall, EKG, Herzultraschall mit Farbdoppler, Biopsien …